Über die C 14 erreichen wir dann Sesriem und füllen erst einmal unseren Tank wieder voll. Hier haben wir beim Anblick der vielen Touristen erst mal einen Kulturschock. Wenn die alle morgen früh zum Sunrise im Deadvlei sind …?

Dann kaufen wir die Permit für 2 Tage Sossousvlei und fahren zu unserer im Park gelegenen Sossous Dune Lodge. Eine zwar hochpreisige aber doch gute Entscheidung, da wir so nicht auf die Öffnung der Tore warten müssen und schon vor der „ rasenden Meute“ in den Park dürfen. Man darf nicht bis zur Lodge hoch fahren und muss sein Auto hinter Felsen versteckt parken. Anschließend packt man seine Koffer auf einen Jeep um und wird die letzten Meter zur Lodge transportiert. Etwas umständlich, aber so wird dem Gast ein autofreier Blick in die Natur gewährleistet.

 

Nach dem Einchecken wird uns unser großzügig geschnittenes Chalet gezeigt. Wow, das Doppelrondavel ist wirklich sehr luxuriös. Wir ruhen uns in den bequemen Liegen während der Mittagshitze etwas aus, genießen den tollen Ausblick aus den bodentiefen Fenstern und lassen uns dann gegen 14.30 Uhr wieder zum Auto runter bringen.

 

 

Wir sind die Einzigen, die um diese Uhrzeit in den Park fahren. Es ist sehr windig und der Sand fliegt durch die Luft. Mein armer Fotoapparat muss jetzt vor dem Sand geschützt werden. Wir stoppen an der berühmten Düne 45 und steigen für ein Foto aus. Die ganze Düne in voller Größe bekommt man nur von der weiter entfernten Straße aus aufs Bild gebannt.

 

 

Dann erreichen wir den 4x2 Parkplatz und wollen nun die 4x4 Strecke ins Deadvlei testen. Wenn wir morgen im Dunkeln hier rein wollen, dann möchten wir die Strecke wenigstens einmal gefahren sein. An der Lodge versicherte uns ein Angestellter, dass wir mit 1,8bar Luftdruck in den Reifen gut eingestellt wären. Von wegen… Man erkennt bei den unzähligen Reifenspuren kaum einen richtigen Weg. Ich kreische noch: „ Fahr langsam!“, was natürlich völlig verkehrt ist,  und schon auf dem ersten Stück fahren wir uns prompt im Tiefsand fest. Nichts geht mehr, weder vor noch zurück. So ein Mist !

 

Doch die Fahrer der Jeep Shuttles kommen direkt angefahren, lassen mal direkt 1 bar Luft aus den Reifen raus und mit ein bisschen Anschieben sind wir wieder flott aus dem Sand heraus. Die beiden Jungs bestehen darauf, dass wir ihnen nun bis ins Deadvlei folgen sollen. Im tief ausgefahrenen, erhärteten Flussbett bremst der Fahrer uns nochmal aus und meint wir müssten nun, anders als im Sandbett, ganz langsam fahren. T. schafft die Strecke dann auch ohne weitere Probleme. Da dies jedoch für heute Nachmittag ( 16 Uhr) die letzte Shuttletour sein wird, fahren wir direkt wieder mit den beiden Jungs zurück. Wir haben einfach keine Lust auf dem Rückweg ein zweites Mal stecken zu bleiben, dann allerdings ohne jede Hilfe. Auch ein Kompressor für den Rückweg auf der 60km langen Asphaltstraße wäre sinnvoll gewesen. Die Allradshuttle umfahren einfach weiträumig die tiefen ausgefahrenen Spuren und geraten so gar nicht erst in Schwierigkeiten.

 

Kurzentschlossen machen wir uns ab dem 4x2 Parkplatz auf den Weg zum Hiddenvlei. Wir sind am Nachmittag die einzigen Wanderer und es ist eine wunderschöne Atmosphäre. Man muss immer wieder genau nach den nächsten Holzpfählen, die als Wegweiser dienen, Ausschau halten, um den richtigen Weg zu finden. Das Hiddenvlei macht seinem Namen Ehre und erst nachdem wir stetig steigend einige Dünen überquert haben, liegt unter uns ganz versteckt das Hiddenvlei. Die Schatten sind schon lang geworden und ich steige hinab, um Fotos von den drei vertrockneten Bäumen zu schießen. Mir gefällt es hier sehr gut. Es ist so still, einsam und man fühlt sich ganz klein in dieser unendlichen Weite der Dünenlandschaft. Auf dem Rückweg erscheinen die roten Dünen im Abendlicht wunderschön und man findet viele kleine Krabbelspuren im Sand. Gegen 18.15 Uhr sind wir wieder zufrieden zurück am Parkplatz.

 

Gemütlich fahren wir zum Sunset zur Düne 45. Hier sind nur noch wenige Leute unterwegs und genießen einen Sundowner. Als die Sonne hinter den Dünen versinkt, sind wir fast die Letzten, die aus dem Park rausfahren. Die Fahrt zieht sich, da wir wegen des sehr geringen Reifendrucks nur langsam fahren wollen. Die Tankstelle am Tor ist bereits dunkel und kein Mensch zu sehen. Der Kompressor ist in der Wand versteckt und auch ausgeschaltet. Zum Glück taucht dann doch noch der Tankwart aus dem Nichts auf und wir können erleichtert unsere Reifen wieder füllen.

 

 

 

Nach einer heißen Dusche gehen wir zum Dinner, was draußen vielversprechend bei Kerzenschein vorm Restaurant stattfindet. Erstaunt stellen wir fest, dass wir nur zwischen zwei Gerichten wählen können. Ich entscheide mich dafür heute fleischlos zu essen. Eine gute Wahl, denn das Fleisch ist zäh und ungenießbar. Ein kleiner Schakal wartet unter den Holzstegen wohl schon auf die Essensreste der Touristen. Ich kann T. gerade noch daran hindern, sein Stück Fleisch dem Tierchen zuzuwerfen. Ich habe die gleichen Beilagen, die jedoch mit Frühstücksbohnen zu einer unkenntlichen Pampe verrührt wurden. Gut, dass ich ein anspruchsloser Esser bin, satt werde ich, doch dieses Dinner fällt bei uns komplett durch! Unser Schweizer Paar sitzt am Nachbartisch und wir tauschen uns kurz aus. Wir buchen kurzentschlossen die von der Lodge angebotene Sunrise-Tour ins Deadvlei mit anschließendem Frühstück bei den Dünen. Nach der Selbstfahrer – Pleite möchten wir die Anfahrt dorthin im Dunkeln nicht mehr selbst bewältigen.

Ein kleiner Ventilator vertreibt nur ein wenig die nächtliche Hitze in unserer romantischen Hütte.    

 

 

Tag 9:

 

Früh um 4.30 Uhr weckt uns ein leises Klopfen an der Tür. Unser Weckdienst. Schnell machen wir uns fertig und nehmen im Restaurantbereich noch einen schnellen Kaffee zu uns. Unsere Gruppe besteht heute zum Glück nur aus 6 Personen. Komfortabel werden die großen Seitenfenster des Jeeps zugeklappt und im Innenraum ist es nun recht gemütlich. Wir unterhalten uns angeregt mit dem holländischen Paar, die Schweizer kennen wir ja bereits und die Fahrt vergeht recht schnell. Unser Guide streckt irgendwann seinen Kopf aus dem Fenster und sein besorgter Blick verheißt nichts Gutes: Fog! Tatsächlich; je näher wir dem Deadvlei kommen, desto mehr fahren wir in den Nebel hinein. Oh je, gerade heute. Erstes Licht lässt uns schon die Umgebung erkennen.

 

Um 5.30 Uhr erreichen wir als allererste den Parkplatz des Deadvlei. Unser Guide erklärt uns, wie wir die nächstgelegene Düne vor „Big Daddy“ erklimmen können. Wir sollen immer den Grat entlang laufen. Da die Düne noch jungfräulich vom Winde verweht ist, fällt das Klettern doppelt schwer. Ich stapfe tapfer voran und die anderen können in meine Spuren treten. Bald klopft mein Herz in doppeltem Tempo. T. ist die Aktion zu anstrengend und er spaziert direkt ins Deadvlei. Je höher wir kommen, desto besser kann man die riesige weiße Fläche des Deadvleis erkennen. Bis zum Horizont kann man nun über ein endloses Dünenmeer blicken. In den Tälern hängt jedoch der Nebel. In den letzten Tagen war es wohl über 45 Grad heiß und der Nebel wäre nun die Folge dieses Wetters. Die Sonne müsste schon längst am Himmel stehen, doch alles liegt weiter dunkel unter Wolken bedeckt.

 

Ach wie schade!

 

Unter reihen sich nun auch die üblichen Profi-Fotografen mit ihren Stativen wie Hühner auf der Stange auf. Was fotografieren die denn? Ist doch gar kein schönes Licht?  Die anderen sind schon in einem langen Bogen ins Vlei abgestiegen und ich gebe irgendwann auch enttäuscht auf. Nicht ein Lichtfleck zeigt sich auf den Dünenspitzen. Unser Guide hatte erklärt, dass wir im „Moonwalk“ die Düne runtergehen sollten, doch ich habe nicht verstanden, was er damit meinte. Neben mir rutscht ein älterer Herr die Düne langsam auf dem Po hinunter. Ne, das kann der Guide nicht gemeint haben. Nach einigen vorsichtigen Schritten abwärts merke ich jedoch ganz schnell, wie es geht. Man hüpft einfach senkrecht die Düne hinunter, dabei hat man ein Gefühl von Schwerelosigkeit , ähnlich wie auf dem Mond. Toll, das macht tatsächlich super Spaß, ist ganz einfach und man ist in Sekunden wieder unten. Jippieh, ich kommmeeeeeee …..!

 

Unten angekommen beginne ich in der Not die trockenen Bäume im Deadvlei einfach im Schwarz-weiß Modus zu knipsen. Auch ganz schön, mal was anderes… Ich bin sehr sehr traurig. Das hätte ich hier nie erwartet.

 

Gegen 9 Uhr fahren wir mit unserem Guide rüber zur anderen Düne „ Big Mama“. Unter einem Baum hat er einen Tisch mit Bänken aufgebaut , hübsch dekoriert und uns wird ein super leckeres umfangreiches Frühstück serviert. Anschließend hat die Sonne endlich den Nebel besiegt und aufgesogen. Es bleibt noch ausreichend Zeit „ Big Mama“ ein Stück zu besteigen und einen tollen Blick Richtung Deadvlei und das gesamte Sossousvlei zu bekommen. Es gelingen endlich schöne Landschaftsfotos.

 

 

 

Doch nun ist die Sunrise-Tour schon zuende und die Fahrt geht eigentlich zurück zur Lodge. Nö, aber nicht mit mir! Jetzt wo die Sonne endlich scheint, will ich natürlich noch mal ins Deadvlei und „richtige“ Fotos machen. Der Guide hat großes Verständnis für mich und beauftragt einen Shuttle-Fahrer mich um 14 Uhr wieder sicher zum 4x2 Parkplatz zurück zu bringen. Außerdem vergewissert er sich noch fürsorglich, ob ich auch ausreichend Wasser dabei habe. T. fährt mit zurück zur Lodge, holt unserer Auto und wir treffen uns dann später am 4x2 Parkplatz. Erleichtert stapfe ich nun nochmals den Weg hinein ins Deadvlei. Die meisten Besucher kommen mir nun schon entgegen und das Deadvlei ist bereits recht leer. Natürlich steht die Sonne nun relativ hoch, die Schatten schrumpfen, aber trotzdem macht das Fotografieren nun richtig Spaß. Ja, so habe ich es mir hier vorgestellt und je länger man sich im Vlei aufhält, desto mehr fühlt man die besondere Atmosphäre. Jeder Baum hier ist auf seine ganz besondere Art und Weise gewachsen. Ich spaziere durch diesen Wunderwald und probiere immer neue Blickwinkel aus.

 

Am hinteren Ende des Vleis zieht sich ein Trampelpfad in die Höhe. Da ich ausreichend Zeit zur Verfügung habe, raffe ich mich nochmals auf und erklimme heute zum 2.Mal die Düne bis zur halben Höhe. Zum Schluss wird es immer steiler, ich rutsche mehr abwärts, als dass ich vorwärts komme. Ich muss nach jedem 3.Schritt stoppen und verschnaufen. Ich kämpfe mich die letzten Meter bis zum Grat mit aller Kraft hoch. Puh; ist das anstrengend.  Einige sehr sportliche Leute sind schon früh gestartet und erreichen gerade die höchste Stelle (350m) von „Big Daddy“. Sie sehen in der Ferne aus wie winzig kleine Ameisen. Wow, alle Achtung! Dann stürzen sie sich mit lautem Gejohle senkrecht im „Moonwalk“ hinunter. Auch ich bin auf diese Weise blitzschnell wieder unten. Komisch, meine Schuhe scheinen nun um zwei Größen geschrumpft zu sein? Durch den Stoff der Schuhe ist der feine Sand durch alle Ritzen gedrungen und will nun aber nicht mehr heraus.

 

 

Pünktlich holt mich der Allradshuttle-Fahrer wieder ab und T. wartet auch schon am 4x2 Parkplatz.

In Sesriem tanken wir schon mal für den morgigen Tag und besichtigen dann die schöne Sossousvlei Lodge. Dort wird gerade das abwechslungsreiche Lunch-Buffet eröffnet und es ist gar nicht so teuer. Schnell nutzen wir die Gelegenheit und genießen eine hervorragende Mahlzeit. Anschließend duschen wir und ruhen uns aus.

 

Am Nachmittag fahren wir gerade mal 10 Minuten zur nahegelegenen Elim-Düne. Hier soll der Sunset am Schönsten sein. Am Parkplatz sind wir fast das erste Auto. Bis zum Sunset haben wir noch viel Zeit und so stapfen wir mal wieder eine Düne hoch. Ich kann gar nicht glauben, dass ich überhaupt noch einen Schritt schaffe. Die Elim-Düne ist wunderschön gelegen und mit sich im Wind wiegenden Grasbüscheln bewachsen. Überall sind kleine Krabbelspuren von Ameisen, Käfern und Eidechsen. Das Abendlicht ist perfekt und die Düne leuchtet in allen Rottönen. Auf der Suche nach der untergehenden Sonne kraxeln wir erschöpft immer höher auf die Düne und immer wieder taucht ein weiterer Dünenkamm auf. Irgendwann wird mir dann auch klar, dass es hier nicht um die untergehende Sonne an sich geht, sondern vielmehr um den Blick ins Abendrot getauchte Tal, auf den Ort Sesriem und die angeleuchteten umliegenden Berge. Wir kehren schließlich um und genießen einfach die schöne Düne mit ihren Sandverwehungen und warten bis das letzte rote Glühen vergeht.

 

 

Vorbei an Oryxantilopen, Springböcken und Straußen erreichen wir unsere Lodge. Von unserer Fensterfront aus genießen wir einen sensationell gefärbten Himmel im letzten Abendlicht. Ich bin glücklich, dass der Tag trotz des schlechten Starts doch noch so erlebnis- und erfolgreich verlaufen ist. Die anderen Paare haben, für mich völlig unverständlich, den Tag über gefaulenzt. Wir sind froh, dass wir heute, satt vom Lunch, das schlechte Dinner nicht essen müssen. Lesend verbringen wir den Abend in unserer schicken Hütte im großen bequemen Himmelbett.