Tag 10:

 

Für einen Ausflug in den Sesriem Canyon bleibt heute leider nicht mehr genügend Zeit. Auch hätten wir gerne eine Ballonfahrt zum Sunrise oder einen Helikopterflug gebucht, doch für diesen Urlaub erschien uns eine solche Aktivität zu hochpreisig. Nach einem richtig guten Frühstück in der Sossous Dune Lodge verlassen wir Sesriem und stoppen später kurz in Solitaire. Hier sind noch viele andere Touristen unterwegs und es ist sehr voll. Das kultige Flair bleibt dabei natürlich auf der Strecke. Wir knipsen wie alle anderen Touristen die Oldtimer, die Streifenhörnchen und kaufen ein köstliches Applepie für die weitere Fahrt nach Swakopmund. Der 2014 leider verstorbene Moose Mcgregor ist direkt vor seiner Bäckerei begraben.

 

 

 

Im weiteren Streckenverlauf überqueren wir den Kuiseb Pass und die Landschaft wird immer öder und trostloser. Unglaublicherweise entdecke ich am Viewpoint einige Mountain-Zebras. Um Himmels Willen wie überleben diese Tiere denn hier wohl?

 

Nun geht es stundenlang durch leere Kieswüste. Es wächst keine Pflanze mehr, absolut nichts…

 

Endlich erreichen erleichtert wir Walvis Bay. Juchu, endlich mal wieder Zivilistion! Wir fahren direkt vor bis zum Jetty und fragen bei Mola Mola Tours nach, ob für morgen noch kurzfristig eine Kombi-Tour Boot / Sandwich Harbour 4x4 buchbar ist. Nach einigen Telefonaten bekommen wir zum Glück eine Zusage. Wir lassen uns draußen am urigen „Anchor at the Jetty“ nieder und genießen die tolle Atmosphäre hier. Alles ist hübsch mediterran gestaltet und wir freuen uns sehr nach den vielen staubigen Tagen endlich Meerluft schnuppern zu können. Bei schönstem Sonnenschein essen wir dann super leckere Calamari mit Chips und Dip und beobachten die großen Schiffe und Tanker, die weit draußen im riesigen Tiefseehafen ankern.

 

Anschließend fahren wir vorbei an einer schicken Villengegend ein Stückchen hinaus Richtung Pelikan Point. In den seichten Gewässern der riesigen Lagune nahe der Salinen halten sich tausende von Flamingos im Wattbereich auf. Es gibt hier sogar zwei verschiedene Arten: Zwergflamingos mit hellrosafarbenem Schnabel und eine größere Art, deren Schnabel dunkelrot gefärbt ist. Ein Paradies für Vogelliebhaber.

 

 

Auf der Weiterfahrt ins 40km entfernte Swakopmund sind wir erschrocken, wie viel an der Küste gebaut wird. Bei diesem Bauboom wird es bald keine freien Flächen mehr geben und die Städte werden vollständig ineinander übergehen.

 

Unser Cornerstone Guesthouse finden wir auf Anhieb und es gefällt uns super gut. Es sehr hübsch gestylt, großzügig und sehr sauber. Wir duschen und ich lese im warmen Nachmittagslicht gemütlich draußen auf der Veranda mein Buch weiter. Nach dem üppigen Lunch und dem Applepie haben wir abends keinen Hunger mehr und das Dinner fällt aus.         

Tag 11:

 

Unser Frühstücksbuffet im Cornerstone Guesthouse ist einfach nur super. Unser Gastgeber Peter hat seine Augen überall, der Service ist perfekt und er glänzt mit very britischer Höflichkeit.

 

Um 8 Uhr starten wir Richtung Walvis Bay und erreichen das Jetty um 8.40 Uhr. Von hier starten morgens sämtliche Bootstouren zum Pelican Point. Entsprechend viele Touristen warten am Ufer auf das Ablegen ihrer Boote. Natürlich treffen wir auch Miss Yoga wieder und steigen beim Quatschen fast ins falsche Boot. Ein riesiger Pelikan posiert perfekt auf einem Felsen am Pier. Dann kommt der Mola Mola Katamaran und wir freuen uns, dass unsere Gruppe nur klein und das Boot nur halbvoll ist.

 

Uns begleiten von Anfang an einige von den Anbietern handaufgezogene zahme Pelikane. Die watscheln tolpatschig an Deck herum und unterstützen unseren Tourguide, ein junges Mädchen, das wie viele Namibianer stolz betont, dass es schon in der 4.Generation hier in Walvis Bay lebt. Nach einigen lustigen Sicherheitsbelehrungen und Späßchen, die Pelikane streiten sich um den Fisch und zwicken schon mal mit den Schnabelspitzen, schippern wir ganz gemütlich langsam die Lagune entlang. Das Meer ist spiegelglatt und vom berüchtigten Morgennebel ist nichts zu sehen. Wir sitzen im T-Shirt an Deck und können uns sonnen. Damit wir vielleicht doch noch Wale sehen können, wird uns erst mal ein großes Bierglas voller Sherry eingeflöst. Brrr, da reicht mir aber schon einer.

 

 

 

 

Plötzlich springt aus dem Meer eine kleine Robbe an Bord und holt sich ihren täglichen Fisch ab. Auch eine freche Möwe will ihren Anteil abbekommen. Dann kommen wir an den Austernbänken vorbei und sehen auf einem uralten Kahn die Arbeiter bei der Reinigung der Muscheln. Sogar ein paar Delfine bekommen wir kurz vorm Pelican Point Leuchtturm zu sehen. Hier weit draußen ankern die riesigen Schiffe und sogar eine Ölplattform aus Angola liegt hier. Anschließend gleiten wir an der Robbenkolonie vorbei. Einige Kanus paddeln ganz nahe durch die spielenden Robben hindurch; sicher auch eine spannende Tourmöglichkeit.

 

Auf dem Rückweg werden Häppchen und Austern mit Sekt gereicht. Zuerst will ich die Austern gar nicht probieren, da sie mir früher nicht so geschmeckt haben. Doch einmal kosten muss man ja schon. Und siehe da, die Austern schmecken mir sehr gut und es werden reichlich davon angeboten. Mhm, lecker!    

 

 

Am Jetty zurück, steigen wir auf ein altes verrostetes 4x4 Allradfahrzeug um. Außer uns fährt nur noch ein weiteres Paar mit. Unser Guide John fährt das Fahrzeug barfuß und meint dies wäre die beste Art und Weise in den Dünen klar zu kommen. Die schlappen Reifen haben gerade mal einen Luftdruck von 0,7 bar.

 

Dann geht es entlang der Lagune und wir stoppen nochmals bei einer großen Ansammlung von Flamingos.

Ab der Salzgewinnungsanlage fahren wir die 4x4 Allrad Strecke Richtung Sandwich Harbour. Für diese Tour muss man ein Allradprofi sein und man benötigt eine Permit. Wir fahren am Strand entlang und John hält immer wieder für Erklärungen an und erzählt uns viele interessante Infos über die Region. Sogar einen durchsichtigen Namib- Sand Gecko ( ehemals Palmato Gecko) buddelt er für uns aus.

 

Die Fahrspuren schimmern teilweise rosa vom feinen Rubinstaub. Außer uns sind nur noch zwei weitere Fahrzeuge unterwegs und die Guides stehen aus Sicherheitsgründen per Funk in engem Kontakt miteinander.

 

Auf dem für uns hart und platt erscheinenden Sandboden führt uns John eindrucksvoll den tückischen Treibsand vor, der bereits vielen 4x4- Fahrern schon zum Verhängnis wurde. Er springt und hüpft auf dem Boden herum und nach ganz kurzer Zeit wird der Untergrund wabbelig, wie ein Pudding und John versinkt bis zu den Knien im tiefen Matsch. Hier ein versunkenes Auto bergen zu müssen, kann sehr mühsam und teuer werden.

 

Irgendwann kommen wir leider an der Küste nicht mehr weiter, die Flut steht schon zu hoch.

 

 

Nun müssen wir über die Dünen weiter zum höchsten Aussichtspunkt. John beherrscht sein klappriges Fahrzeug barfuß absolut perfekt. Um nicht stecken zu bleiben, macht er ordentlich Tempo und wir heizen mit 70 km/h die 35° Grad hohen Dünen senkrecht hoch. Oh mein Gott! Mir wird ganz anders und irgendwann kreische ich nur noch vor Angst. Zum Glück hört diese halsbrecherische Fahrt bald auf und wir erreichen unsere Zieldüne.

 

Von hier oben haben wir einen unbeschreiblichen Blick in die Ferne, wo die Lagune von Sandwich Harbour liegen muss. Das unendliche helle Dünenmeer der Namib liegt vor uns und es weht ein recht starker Wind. Direkt unter uns stößt das Meer gegen die Sanddünen und die Wellen brechen sich hier eindrucksvoll. Nach einem kurzen Fotostopp müssen wir die Strecke wieder zurück. Die Guides passen aufeinander auf und fahren erst weiter, als alle wieder unten angekommen sind.

 

In einem windgeschützten Dünental wird dann ein kleines Mahl gereicht. Leckere Sandwiches, Fingerfood, Sekt und natürlich können wir wieder einmal leckere Austern schlürfen. John füttert kleine Feldmäuschen mit ein paar Kernen, die kommen aus dem Gebüsch gehuscht und knabbern drauflos. Auch eine kleine Namib-Sand – Eidechse können wir entdecken.

 

Zum Schluss erlaubt sich John noch einmal einen besonderen Spaß mit uns: er lässt uns mit dem Jeep einfach senkrecht rückwärts die steilste Düne runterrutschen.

 

Gegen 17 Uhr erreichen wir schließlich wieder das Jetty. John hat einen guten Job gemacht und er bekommt ein ordentliches Trinkgeld. Nun statten wir noch der sehenswerten modernen Kunstgalerie im oberen Stockwerk einen kurzen Besuch ab.

 

In Swakopmund angekommen, sagen wir noch schnell den bereits morgens reservierten Tisch im Kücki`s Restaurant wieder ab. Ich bin bis oben hin voll mit Austern und das Dinner muss deshalb wieder ausfallen.

 

Zum Sunset parken wir am Pier und gönnen uns zum Sundowner auf der Terrasse des „The Tug“ einen leckeren Mojito.        

 

Tag 12:

 

Nach einem leckeren Frühstück im gemütlichen Frühstücksraum unseres B&B werden wir um 8 Uhr von einem Fahrer von Living Desert Tours abgeholt. Schon lange im Voraus haben wir diese Tour mit Chris Nel gebucht, da seine Tour schon einen legendären Ruf hat. Heute sind wir mit 3 Fahrzeugen unterwegs, doch die Größe der Gruppe ist ok und Chris zieht schnell alle Gäste auf seine ganz spezielle charmante humorvolle Art in seinen Bann. Wow, was für eine spannende Persönlichkeit. Man merkt, dass er mit Laib und Seele seinen Job und die Wüste liebt.

 

Direkt am Swakop-River Flussbett beginnt schon die „ Little 5 Tour“ und die Fahrer lassen zuerst einmal den Reifendruck ab. Nach kurzer Zeit steigen wir direkt wieder auf den Dünen des Dorob Nationalparks aus und Chris begrüßt uns. Jeder Teilnehmer stellt sich erst einmal kurz vor und die Mädels bekommen noch den speziellen Rat:” Ladies, if you can’t see me this means I can’t see you. Don’t walk for kilometers! This is not a social event. Pee and come back. Dry with air and patience. Never use toilet paper !” Verständlich, denn Chris sammelt regelmäßig Klopapier in den Dünen auf.  

Dann erklärt uns Chris das „ Dünenmüsli“ ; es sind viele Schweizer in der Gruppe. So lustig, wie er die Zusammenhänge der Dünen und die Nahrungskette der kleinen Wüstenbewohner erklärt, ist es nicht schwer, sich viele interessante Einzelheiten zu merken. Einleuchtend ist auch, dass die Wüstentierchen alle nur „Bonsai-Größe“ besitzen, da es ja kaum Wasser gibt und sie sich vor der großen Hitze schützen müssen. Zitat: „ Die Tropfen sind feiner, die Tiere sind kleiner!“  

Die anderen Fahrer stapfen in dieser Zeit bereits durch die Dünen und suchen nach Tierspuren. Dann laufen wir alle hintereinander im Gänsemarsch zu den Fundstellen.

 

Das erste Tier ist direkt ein süßes kleines Wüsten-Chamäleon, das ganz schwarz in einem Busch hockt. Mein erstes Chamäleon in freier Natur und ich liebe es! Chris legt ihm einen kleinen Mehlwurm in 1 Meter Entfernung hin. Schnell bemerkt das Chamäleon die zuckende Bewegung und seine Augen rollen in alle Richtungen. Nachdem es die Lage gecheckt hat, setzt es sich mit seinen lustigen Beinchen in seinem einmaligen „Moonwalk“ Gang langsam in Bewegung. Dann wird es fast schnell und wechselt die Farbe in leopardähnliche Flecken. Es wackelt nochmals mit dem Körper vor und zurück und - zack schnellt die lange Zunge hervor und das Würmchen steckt quer im Maul. Leider viel zu schnell für einen Schnappschuss der komplett ausgefahrenen Zunge. Einmal Schlucken und schon verfärbt sich das Chamäleon zufrieden in ein glückliches Hellbeige.

 

Einfach sensationell!

Chris kennt sich mit den Eigenheiten der Tieren perfekt aus und er weiß genau, wie er mit ihnen umgehen muss damit die Touristen gute Fotos hinbekommen. Ganz in Ruhe kann erst einmal seinen Erklärungen zuhören, denn anschließend ist genügend Zeit für Fotos. Als Chris merkt, dass ich versuche besonders gute Fotos zu schießen, habe ich direkt meinen Spitznamen weg und er nennt mich nur noch „Tante Lumix“.Wir finden sogar noch ein zweites größeres Chamäleon.

 

Auch ein Häschen kauert gut getarnt in einem Busch. Dann zeigt er uns den „Dollarbusch“ und drückt aus den runden Blättern jede Menge gespeichertes Wasser heraus. Chris weist uns auf zahlreiche Spuren hin, hier winden sich Tierchen unter dem Sand entlang als Schutz vor der Sonne.

 

Auf einmal wirft er sich auf eine Düne und fängt an zu graben. Er befördert einen fast durchsichtigen Namib-Sand-Gecko ( ehemals Palmato Gecko) hervor und schützt das empfindliche Tier ständig vor der Sonne. Anders als gestern bei John hält der hübsche Gecko mit den riesigen Augen erstaunlich still und posiert geduldig, bis alle Touris ihre Fotos im Kasten haben. Dann verbuddelt er sich mit seinen Entenfüßchen wieder schnell im schützenden Sand.

Anschließend dürfen wir alle einen kleinen schlangenähnlichen Skink ohne Füße in der Hand halten. Seine Oberfläche glitzert blau-metallisch ( Bli(e)ndschleiche) in der Sonne und er schlängelt eine tolle Spur in den Sand. Weiter geht die kurze Fahrt durch die teilweise von Granatstaub rötlich gefärbten Dünen.  Unser Fahrer Kurt hält dann bei einer Wüsten- Eidechse. Diese sieht wie ein grünes Mini-Krokodil aus und es führt uns einen tollen Tanz auf. Damit der heiße Wüstensand die Füßchen nicht verbrennt, wechselt es im schnellen Rhythmus immer wieder die Standbeine, das sieht wirklich lustig aus.

 

Schließlich holen die Guides noch eine kleine dünne Schlange aus den Büschen, die wir auch halten dürfen. Das Highlight ist dann noch eine giftige züngelnde Sandviper; die sich wohl recht untypisch verhält, denn sie will sich nicht mehr im Sand einbuddeln. Dann schnellt ihr Kopf auch noch einmal blitzschnell zum Angriff vor. Ich halte lieber respektvollen Abstand. 

  

 

Die Schwarzfärbung in den Dünen wird uns dann auch noch eindrucksvoll vorgeführt. Chris nimmt einen großen Magneten und fährt damit über die Düne. Es bleibt schwarzer Magnetit hängen.

 

Zum Schluss geht es noch mit Schwung über die Dünen auf den höhsten Aussichtspunkt; jedoch lange nicht so wild, wie am gestrigen Tag. Von hier überlickt man den Atlantik und das Dünenmeer des Dorob Nationalpark von Walvis Bay bis Swakopmund. Ein hübsches kleines Vögelchen kommt neugierig auf Chris Hand geflogen; es weiß um die leckeren Mehlwürmer, die es angeboten bekommt.

Dieser Ausflug hat sich wirklich sehr gelohnt und ist absolut empfehlenswert.

 

Um 13 Uhr sind wir wieder pünktlich  zurück an unserem Guesthouse.

 

Nach kurzer Zeit laufen wir zu Fuß rein in den Ort Swakopmund. Wir schlendern durch die unerwartet netten Geschäfte und genießen einfach die Zivilisation. In der Fußgängerzone lässt sich T. dann kurzentschlossen und günstig die Haare schneiden.

Anschließend lassen wir uns auf der stylischen Terrasse des gerade eröffneten Strand-Hotels nieder. Wir genießen die tolle Lage am Meer und es kommen sogar Delfine und Robben zum Jagen in die Bucht. Der Service muss sich hier noch einspielen, doch wir haben Zeit und entspannen bei Kaffee und Kuchen. Im Nachmittagslicht werden dann noch ein paar schöne historische Bauten und der Leuchtturm geknipst.

 

Zum Sunset fahren wir diesmal zum lässigen Tiger Reef Beachlokal. Hier kann man die Kitesurfer toll beim Ritt über die Wellen beobachten und nochmal den Pier in der roten Abendsonne knipsen.

 

Zum Dinner haben wir bereits von zuhause das kultige „The Tug“ Restaurant vorgebucht. Nach kurzer Diskussion und Wartezeit in der toll dekorierten Schiffsbar, bekommen wir einen Tisch mit Meerblick. In gediegenem Ambiente und bei einem guten Glas Rotwein genieße ich meinen leckeren Kingklip -Fisch.

 

Ein perfekter Ausklang für diesen erlebnisreichen Tag.