Tag 16: Hoh Rainforest - Olympic National Park

Heute morgen werden wir, wie vereinbart um 7 Uhr von einem zarten Klopfen an der Zimmertür geweckt. Auf einem kleinen Tablett hübsch dekoriert mit Blümchen und dem aktuellen Wetterbericht steht schon ein erster heißer Kaffee, den man sich vor dem Frühstück aufs Zimmer holen kann. Das Frühstück ist dann einfach nur umwerfend. Jeder darf am Vortag schon seine individuellen Wünsche bestellen und diese werden nun eindrucksvoll von einer netten Bedienung serviert. T. bekommt einen riesigen Crêpe mit frischen Erdbeeren und Sahne. Für mich gibt es einen mächtigen doppelten Blaubeerpfannkuchen ebenfalls mit reichlich Sahne. Außerdem gibt es noch vorab einen kleinen Obstsalat und für jeden liegt auf einem Tellerchen extra noch ein süßes Teilchen. Auch wenn es super lieb gemeint ist, wir schaffen diese Mengen beim besten Willen nicht zu vertilgen. Über die verspielt gedeckteTafel hinweg werfen wir uns vielsagende Blicke mit den anderen Gästen zu und kommen nett ins Gespräch. Für den nächsten Morgen wissen wir nun Bescheid und bestellen ausdrücklich etwas kleinere Portionen. Draußen auf der blumengeschmückten Terrasse gibt es eine Futterstelle, die morgens stark besucht wird von flinken Eichhörnchen und blauen Diademhähern. Noch zeigt der Blick ins Tal einige Nebelschwaden.

 

 

Unser erstes Ziel ist nun der beeindruckende Hoh Rainforrest mit einer wohl einzigartigen Natur. Als wir den Parkplatz des "Hoh Rain Forrest" erreichen, kommt langsam auch die Sonne zwischen den moosbewachsenen Ästen hervor. Der Park hat eine atemberaubende Vegetation, bizarre Bäume, große Farne und riesige Wurzeln. Die Farben der Algen im kleinen Bach zeigen ein sattes Grün. Der „Hall of Mosses Trail“ ist einfach auf ausgeschilderten Pfaden zu erkunden.

 

 

Wir sind fasziniert, wie unglaublich lang die Flechten und Moose von den Zweigen herunterhängen; wie in einem Zauberwald. Leider verzichten wir auf den „Spruce Nature Trail“ und verpassen durch den schnellen Aufbruch bestimmt ein absolutes Highlight! Wir erfahren von Gästen am nächsten Morgen, die uns stolz ihre Fotoausbeute präsentieren, dass wohl ein kleiner Babyschwarzbär einfach mal ins Visitorcenter spaziert sei und seine Bärenmutter gleich hinterher. Das nenne ich wirklich Pech gehabt!

 

 

Olympic National Park - Ruby Beach / Kalaloch Lodge

Nun fahren wir weiter südlich auf der Road 101 zum großartigen, einfach zugänglichen Ruby Beach. Nur kurz ist der Weg hinunter vom Parkplatz und schon eröffnet sich der Blick auf einen Flusslauf, große Treibhölzer und wunderschöne fotogene Felsinseln. Der Strand ist gut besucht, zahlreiche bunte Strandstühle sind kreisförmig aufgebaut, doch verlaufen sich die vielen Menschen bald und jeder findet am weiten Strand ein ruhiges Plätzchen.

 

 

Wir halten Ausschau nach Tidepools und entdecken grüne Seeanemone und orangefarbene Seesterne in den umspülten Felsspalten. Dann klettern wir zwischen den ausgeblichenen Baumstümpfen umher und suchen nach besonders schön geformten Treibholzstücken. Auch hier brechen wir nur ungern auf und ich vermag am Ende nicht zu sagen, welcher der besuchten Strände mir am besten gefallen hätte; alle drei sind einfach nur sensationell und ich möchte sofort wieder an diese wilden naturbelassenen Pazificstrände zurück!

 

 

 

Nur ein kurzes Stück weiter halten wir an der tollen Kalaloch Lodge und wir können die positiven Rückmeldungen nur bestätigen. Wir essen auf der sonnigen Terrasse Fish and Chips mit einem traumhaften Blick auf den geschwungenen Fluss und das weite Meer. Der Service lässt allerdings zu wünschen übrig. Die Lage der einzelnen Häuschen direkt am Meer ist einfach unschlagbar; auch wenn veraltete Ausstattung und Sauberkeit wohl teilweise beanstandet werden; hier hätten wir auch gerne mindestens eine geruhsame Nacht verbracht. Ich fotografiere noch den hübschen weißen Pavillion und dann treten wir den Rückweg an. Die „Tree Root Cave“ nahe am Campground besichtigen wir leider nicht mehr.

 

 

Olympic National Park - Rialto Beach

 

Bis zum B&B zurück zu fahren lohnt sich nicht mehr, deshalb stoppen wir noch kurz am First Beach und trinken erst einmal im Restaurant „At Waters Edge“ einen leckeren Kaffee. Noch bin ich unschlüssig, wo wir den Sonnenuntergang fotografieren wollen, nachdem uns ja gestern der Nebel eine Strich durch die Rechnung gemacht hat. Was wenn der Nebel wieder kurz vorm Sunset aufzieht?

 

 

 

T. möchte eigentlich nicht noch einmal zum Second Beach, doch ich habe Bedenken ca. eine Stunde am Rialto Beach entlang bis zu den verheißungsvollen Seastacks zu laufen. Wie wird der Rückweg später sein; im Dunkeln oder gar bei Flut über das Treibholz klettern? Auch sind meine Informationen etwas spärlich über den hinteren Teil des Rialto Beaches und ich weiß nicht so recht, was uns dort erwarten wird. Doch wir raffen uns auf, packen einen Rucksack mit ausreichend Getränken und auch Taschenlampen ein. Dann marschieren wir gemütlich am endlos weiten dunklen Sandstrand entlang. Unterwegs sieht man kaum noch Menschen. Die bizarren Seastacks in der Ferne wollen einfach nicht näher kommen und wir benötigen bis zum „Hole in the Wall“ eine gute Stunde.

 

 

 

Doch die Eindrücke hier sind einzigartig und entschädigen einen für den weiten Weg. T. macht es sich mal wieder auf dem mächtigen Treibholz gemütlich und ich knipse begeistert die beiden bewachsenen Split Rocks. Hoch oben auf einer Baumspitze sitzt sogar ein Weißkopfseeadler. Da Flut herrscht, kann man durch das Felsenloch nicht hindurch laufen, aber es gibt einen steilen, zugewachsenen Pfad hinauf auf einen schmalen einsamen Grad. Der einmalige Ausblick von hier oben auf den Rialto Beach mit den spitzen Felseninseln bis weiter zum First Beach lässt mein Herz vor Freude hüpfen. Ich sauge ergriffen alle Eindrücke tief in mich auf, sodass ich sie nie mehr vergessen kann und dies ist definitiv ein Highlight dieser Reise.

 

 

 

Das muss T. auch sehen und ich klettere nach einiger Zeit wieder runter, um ihm auch diesen wunderschönen Ort zu zeigen. Meckernd kraxelt er mit mir den Pfad rauf und zerkratzt sich die Beine am Gestrüpp, doch oben ist auch er von der Aussicht begeistert. Pünktlich zum goldenen Sunset, glücklicherweise gibt es heute keinen Nebel, sind wir dann unten an den dekorativen Split Rocks und versuchen andächtig die Stimmung und die tollen Farben mit dem Fotoapparat bzw. Handy einzufangen. Toll, wie die letzten Sonnenstrahlen genau zwischen den Felsennasen durchblitzen. Gerne wäre ich noch länger geblieben, um alle Rosa-, Lila- und Blauabstufungen auch zu erwischen, doch direkt als die Sonne am Horizont versinkt, machen wir uns strammen Schrittes auf den langen Rückweg. Zum Glück zieht sich das Meer weiter zurück und der Sand unter unseren Schuhen ist sehr fest. Auch diesmal benötigen wir für den Fußmarsch wieder eine gute Stunde in der zunehmenden Dämmerung und wir sind doch erleichtert endlich am Parkplatz angekommen zu sein.

 

 

 

An unserer Unterkunft angekommen, nehmen wir eine heiße Dusche und lassen den Abend im gemütlichen Gemeinschaftswohnzimmer bei einem riesigen Stück Carrotcake und heißem Tee ausklingen.