Etappe 4. - 5. Tag:                                                                   Lake Louise - Bow Lake - Peyto Lake - Moraine Lake - Icefield Parkway - Parker Ridge Trail - Athabasca Glacier  

 

Tag 4:

 

Heute klingelt der Wecker erst um 4.45 Uhr. Nach einem schnellen Frühstück mit Cornflakes fahren wir zum nahen Lake Louise. Auf dem Parkplatz begrüßt uns schon das laute Gekrächze der großen schwarzen Krähen. Diese hässlichen Vögel sind ständige Wegbegleiter während des gesamten Urlaubs. Das Ufer des Lake Louise ist lang und sehr gut ausgebaut. Es gibt also keinen Streit um die besten Plätze beim Sunrise. Noch liegt der See im relativen Dunkeln, denn der Mond leuchtet wieder hell. Ich baue mein Stativ direkt am Eingang des Hotels auf und T. besorgt in der Cafeteria einen heißen Kaffee. Schon jetzt hat der Kanuverleiher alle Hände voll zu tun. Viele Kanus, natürlich mit Asiaten gefüllt,  paddeln zum hinteren Teil des Sees. Auf einmal sehe ich, wie am Gletscher eine Lawine abgeht. Es vergeht eine Weile, bis das dröhnende Echo des Donners bis zu uns klingt. Wow! Dann erreicht die Sonne endlich die ersten Bergspitzen und es ergeben sich immer neue Lichtspiele auf den Bergen und den Gletscherfeldern. Auch heute ist der See wieder spiegelglatt und es ergeben sich, als die Sonne auch den See erreicht, wunderschöne Spiegelungen im eisblauen Wasser. Um diese Uhrzeit ist der Lake Louise einfach fantastisch. Am Kanuverleih werden dann auch noch einige Aufnahmen versucht, doch es ist schon zu viel Betrieb.

 

 

Nun überlege ich, was wir heute unternehmen sollen. Eigentlich stehen zwei Tageswanderungen zur Auswahl. Klassisch wäre die Wanderung zum Lake Agnes Tea House mit Little und Big Beehive, via Highline Trail und Plain of Six Glaciers Trail (insgesamt 17 km) zurück. Doch die uns angekündigten Massen an Leuten, lassen mich zögern.

 

Außerdem käme noch ab Moraine Lake die Wanderung zum Sentinel Pass in Frage. Um hier nicht den gleichen Weg wieder zurück laufen zu müssen, könnte man das Auto schon vorher am Parkplatz zum Lake Annette abstellen und sich per Anhalter zum Moraine Lake mitnehmen lassen. Vom Sentinel Pass kann man dann durch das Paradise Valley absteigen ( insgesamt über 20 km). Allerdings ist es hier sehr einsam und es wird wegen Bärensichtungen dringend empfohlen in Gruppen zu wandern. Auch die vielen Höhenmeter, die es zu überwinden gilt, schrecken uns ehrlichweise etwas ab, denn wir haben enormen Muskelkater von den Vortagen. 

 

Deshalb schmeiße ich meine Planung über den Haufen und wir fahren Richtung Bow Lake. Wer weiß, ob das Wetter morgen noch so schön bleibt? Und so sind die schönsten Fotos schon im Kasten! Am Bow Lake ist es dann wirklich sehr idyllisch und ich hüpfe am Ufer hin und her, um die besten Blickwinkel zu erwischen. Es gibt einen kleinen Strand, nette Pflänzchen und hübsche Brückchen über kleine Bachläufe.  Ganz weit in der Ferne erkennt man den Bow Glacier und die beachtlichen Bow Glacier Falls. Ich lese kurz nach und finde, dass die Wanderung zu den Falls ( ca. 10 km und nur 155 Höhenmeter) etwas für uns sein könnte. 

 

 

Vorher will ich aber noch zum Bow Summit hoch, um den Peyto Lake am Viewpoint zu fotografieren. Wir parken unterhalb auf dem 1. Parkplatz und müssen noch  steil bergauf kraxeln. Von den beschriebenen blühenden Wiesen sehen wir allerdings nicht viel. Der Blick auf den Peyto Lake ist dann einfach fantastisch. Man sieht den kompletten Gletscher, wie er ins Tal zieht, das Geröllfeld und den unwirklich eisblauen gefärbten See, wie mit Photoshop nachbearbeitet. Man kann noch weit hinaus ins Tal und auf weitere Berge schauen. Einfach toll und das Ganze ohne „Asiatenrummel“! Auf der Suche nach den versprochenen Blumenwiesen gehen wir noch den kurzen Rundweg, doch der lohnt sich nicht so recht. Ein deutsches Paar erzählt uns, dass sie gerade am Abzweig Schwarzbären gesichtet hätten und wir halten gespannt Ausschau auf dem Rückweg. Irgendwie Safarifeeling, wie in Afrika. Leider bleiben die Bären unsichtbar.

Am Bow Lake packen wir dann unseren Rucksack, schnüren die Wanderschuhe und ziehen bei warmen 25 °Grad los. Der Weg verläuft zunächst ganz eng an der Wasserkante entlang und wir genießen  die Farben des Sees. Die Bow Glacier Falls, unser Ziel haben wir immer im Sichtfeld.

 

Dann geht es über ein von Gletscherbächen durchzogenes Flussbett. Irgendwann erreichen wir einen kleinen Canyon und müssen nun etwas anstrengender über Treppen steigen. Danach kommt ein weiteres Geröllfeld mit größeren Steinen. Je höher wir ansteigen, desto mehr plätschert nun das Wasser überall entlang und wir müssen uns unseren Weg suchen, um trocken darüber zu kommen. Das Gletscherfeld und der Wasserfall kommen nun immer näher und kurz vorm Ziel rasten wir am Gebirgsbach mit wunderschönen Ausblicken auf die Bow Glacier Falls.

 

Dann kehren wir um. Nun machen sich leider wieder unsere Knochen bemerkbar und wir bekommen beide Knieschmerzen. Nach ca. 4 Stunden sind wir froh nach einer tollen empfehlenswerten Wanderung wieder am Parkplatz zurück zu sein.

 

Nun zieht es mich nochmals zum Moraine Lake, den wir ja bislang nur morgens gesehen hatten. T. hat keine Lust mehr zu wandern und bleibt in der Nähe des Parkplatzes. Ich kraxle nun zum 3. Mal den Rockpile Trail rauf und bin aber erneut begeistert vom Panorama. Das Blau des Sees ist am Nachmittag noch viel intensiver. Dann laufe ich 1 Stunde am Ufer entlang bis zum Ende des Trails, hier fließt ein kleiner Fluss in den See. Die Kulisse auf Bergspitzen, glitzernde Gletscher, blauer See und gleitende Kanus könnte nicht schöner sein. Am Nachmittag herrschen hier beste Fotobedingungen. Glücklich knipse ich drauflos. Zufrieden über den gelungenen Tag, nehmen wir wieder das Abendessen im Café ein, relaxen im Hottub und schlummern gegen 21 Uhr ein.            

 

 

Tag 5:

 

Heute ziehen wir weiter nach Jasper. Es wieder gutes Wetter und wir sind gespannt auf den legendären Icefield Parkway. Am Bow Lake stoppen wir nur ganz kurz, da wir ihn ja gestern schon ausgiebig erwandert haben. Auch zum Peyto Lake biegen wir nochmals ein, vielleicht ist der Schwarzbär ja wieder da? T. fährt hoch zum leeren 2.Parkplatz, wartet im Auto und ich hüpfe nur für ein weiteres Foto kurz aus dem Auto. Die Sicht über das weite Tal ist heute fast noch besser, außerdem schraube ich noch den Polfilter auf. Der nächste Abschnitt des Icefield Parkways beeindruckt uns sehr.

 

 

Wir stoppen an den Waterfowl Lakes und es gelingen tolle Fotos der türkis-blau gefärbten Seen mit Spiegelungen der Gebirgs- und Gletscherkulisse darin. Auch blühen hier die hübschen langstieligen rosafarbenen Fireweed Wildblumen.

 

Dann stoppen wir am tollen Mistaya Canyon und laufen den kurzen Trail runter zur Kalksteinschlucht. Das Wasser hat hier mit einem enormen Druck richtige Potholes ausgewaschen und der Blick von der Brücke in den Canyon und den wilden fließenden Fluss gefällt uns ausnehmend gut.    

 

Hinter der Saskatchewan River Crossing fahren wir nun immer höher Richtung Sunwapta Pass. Die Aussichten auf die gigantische Bergkulisse lässt uns klein wie Ameisen erscheinen. Vorbei an den Panther Falls  fahren wir in einer Serpentine hoch zum Aussichtspunkt auf die Bridal Veil Falls, der Blick ins Tal ist allerdings etwas diesig, aber trotzdem beeindruckend.

 

Nun müssen wir uns mal wieder entscheiden, welche Wanderung wir machen wollen. Soll es der Parker Ridge Trail oder der Wilcox Pass Trail werden? Am Trailhead zur Parker Ridge legen wir unsere Köpfe in den Nacken, verfolgen den Weg, der sich in steilen Serpentinen nach oben zieht, mit den Augen und versuchen uns vorzustellen, ob wir diese enorme Höhendifferenz in Angriff nehmen wollen. Der Muskelkater siegt vorerst und wir fahren zu T.`s Erleichterung auch am Wilcox Pass Trailhead vorbei bis zum Athabasca Gletscher. Auf dem Parkplatz stehen schon über 10 Busse. Wir parken und hier ist es schon recht frisch aber trotzdem noch angenehm in der Sonne. Vor dem Icefield Centre steht ein niedliches gelbes historisches Icemobil. Drinnen ist die Hölle los und tausende Asiaten irren kreuz und quer durchs Centre. Wir gehen in der 1.Etage auf die Aussichtsterrasse und haben einen guten Blick auf Athabasca und weitere umliegende Gletscher. Schnell flüchten wir wieder, denn ständig wird man angesprochen : „ Can you make a photo of us?“. Unten im Centre entdecke ich jedoch ein tolles Foto von der Aussicht am Ende des Parker Ridge Trails auf den, sonst hinter der Ridge versteckten, Sascatchewan Gletscher. Da müssen wir hin! 

 

T. hat eigentlich gar keine Lust auf Wandern, fährt uns aber etwas muffelig wieder zum Trailhead zurück. Wir nehmen nur eine Flasche Wasser mit und nehmen dann die Serpentinen in Angriff. Schnell kommen wir ins Schwitzen und meine warme Daunenweste ist völlig unnötig. Keuchend, fluchend und mit einem Pulsschlag von 180 kämpfen wir uns im Schneckentempo hoch. Die Ausblicke auf den Icefield Parkway und den Gletscher sind jedoch wunderschön und entschädigen für die Mühe. Hier gibt es auch viele hübsche lilafarbene Wildblumen und je höher wir kommen auch einige Schneefelder. Oben auf der Hochebene angekommen wachsen nur noch flache rosafarbene  Minibergblümchen, die Wanderer mit Steinmäuerchen vor unachtsamen Wanderern geschützt haben. Begeistert entdecke ich dann ein wildwachsendes blaues Vergissmeinnicht. Wow, wie toll! Andere Wanderer raten uns, nicht weiter die Ridge hochzulaufen, sondern uns links zu halten. Dann endlich eröffnet sich uns der Blick auf den wunderschönen Sasketchewan Gletscher, das Geröllfeld im Tal, den sich anschließenden blauen Gletschersee und den gesamten Ablauf des Flusses. Was für ein beeindruckendes Panorama! T. bleibt auf einem Steinhäufchen sitzen und zieht sich die Kaputze über die Ohren. Hier oben ist es nun doch frisch und der Wind pfeift heftig. Ich wandere noch weiter an der Ridge entlang und die Ausblicke werden noch schöner. Plötzlich springt eine riesige Herde Bighornsheeps weiter vorne über den Trail. Ich flitze los und versuche noch einige Aufnahmen von diesen Hochgebirgsschafen zu ergattern, doch die sind schnell weitergezogen. Nach einiger Zeit machen wir uns zufrieden an den Abstieg. Am Schneefeld formen wir noch ein paar Schneebälle und kühlen uns damit an Stirn und Nacken herrlich ab. 

 

Danach stoppen wir nochmals am Parkplatz unterhalb des Athabasca Gletschers. Mittlerweile hat es sich fast komplett zugezogen, der Himmel ist bewölkt, doch ich möchte wenigstens kurz zum Gletscher vorlaufen. Schilder mit Jahreszahlen veranschaulichen auf dem Weg dorthin, wie erschreckend schnell der Gletscher in den letzten Jahren weggeschmolzen ist. Der Gletscher selbst sieht dreckig aus und man erkennt oben die roten Icemobile, die die Touristen für viel Geld auf das Gletschereis fahren. Nachdenklich laufe ich zurück zum Auto.    

 

Nun halten wir nicht mehr und fahren den Icefield Parkway durch bis Jasper. Dort kaufen wir im großen gut ausgestatteten Supermarkt für das Abendessen und die nächsten Tage ein; auch ein Fläschchen Wein vom Liquor Shop darf nicht fehlen.

 

Dann geht`s raus zum Patricia Lake, wo wir eine zünftige Luxus-Blockhütte gemietet haben. Nach 10 Minuten erreichen wir schon unsere tolle Unterkunft, das Einchecken ist schnell erledigt und ich erkunde die wunderschön gelegene Anlage. Es gibt auch einen Openair Hottub mit Seeblick, eine gemeinschaftliche Barbecue-Area und einen Bootsanleger mit Kanuverleih. Vor unserer Hütte gibt es einen Picknick-Tisch und wir essen erst mal Abendbrot mit den Leckereien aus dem Supermarkt. Danach schnappe ich mir mein Glas Rotwein und mache es mir im Deckchair am Bootsanleger mit Blick auf den Patricia Lake gemütlich.

 

Hach, DIE perfekte Kanada Abendstimmung, besser geht`s wirklich nicht mehr!!!