Maupiti Part 2

Nun geht es flott weiter mit dem Boot um die Hauptinsel herum Richtung Tereia Point. Als Camille mit dem Boot schließlich auf dem flachen Sand fast aufsetzt, springen wir aus dem Boot und waten mit unseren Rucksäcken über dem Kopf an Land. Der Teireia Beach ist sehr idyllisch, gerne hätte ich hier gewohnt, doch die Unterkunft war schon sehr früh ausgebucht. An der kleinen Strandbude „Chez Mimi“ bestellen wir erst mal Getränke und Lunch. Nach etwas Wartezeit, Mimi arbeitet im Maupiti-Tempo, bekomme ich eine riesige leckere Portion „Poison Cru“ und die anderen essen Fisch mit Pommes Frites oder ein ganzes laaaaanges Baguette- Sandwich.

 

 

Nach einer kurzen Siesta am weißen Strand, machen wir uns gemeinsam auf zum Motu Auira rüber zu waten, denn die Meeresenge ist hier komplett flach. Wir stapfen ca. 30 min durch das hüfttiefe Wasser und diese Aquagymnastik ist auf Dauer ganz schön anstrengend. Ich halte etwas ängstlich Ausschau nach Stachelrochen und Riffhaien, doch es zeigen sich kaum Fische. Die Überquerung mit nettem Plausch macht wirklich Spaß. Auf dem gegenüberliegenden Motu angekommen, genießen wir die Einsamkeit und ich wandere noch eine ganze Weile am palmengesäumten Strand der Insel entlang und fotografiere Maupiti aus diesem fantastischen Blickwinkel. Nach 1 Stunde Aufenthalt machen wir uns auf den Rückweg. 

 

 

Da Camille uns im Hafen abholen wird, müssen wir zu Fuß via Traverse über den Berg zur Baie de Atipiti wandern. Die Wanderung ist kurzweilig und man sieht Bananenstauden, Pampelmusenbäume, Hibiskusblüten und die Insel ist herrlich grün. An der höchsten Stelle der Traverse kann man die tollen Farben des Meeres besonders gut leuchten sehen. Immer wieder blickt man hoch auf die schroffen, steilen Bergspitzen Maupiti`s, die es ja noch zu erklimmen gilt. Nach 45 min erreichen wir den Hafen, wo Camille uns schon erwartet.

 

 

Beim Dinner gibt es viel zu erzählen und die Stimmung ist gut. Als Vorspeise gibt es heute schon meine 2. Portion „Poison Cru“. Diesmal bekommen wir ausnahmsweise keinen Fisch, sondern Braten mit dunkler Soße und Kartoffelpüree und zum Nachtisch ein leckeres Eis.

Ein absolut einzigartiger Tag im Südseeparadies!

 

Tag 19:

                                   

Auch heute Morgen planen wieder alle Gäste gemeinsam den Tag. 3 Paare wollen die Bergwanderung heute angehen und das französische Pärchen, welches bereits oben war, möchte nochmals zum Tereia beach. Camille bringt uns wieder rüber zum Hafen, in dem mittlerweile noch eine 2. traditionelle Piroge angelegt hat.

Direkt am Hafen gibt es einen Container mit Fahrradverleih. Wieder mal werden uns die üblichen klapprigen Räder ohne Gangschaltung und Handbremse angeboten. Wir werden gewarnt, die Steigung bzw. das Gefälle an der Traverse nicht auf dem Rad, sondern nur schiebend zu bewältigen. Übrigens hat man die übersichtlichen 10 km Inselstraße schnell umrundet. Wir radeln jedoch nur bis zum „Snack Tarona“. Hier zeigen uns die Franzosen noch kurz die Treppen, die den Einstieg zum Mt. Teurafaatiu bedeuten. Wir stellen die Räder am Restaurant ab, packen 3 Liter Wasser ein und marschieren los.

 

Der Weg führt zuerst über Steine und Geröll und steigt schnell steil an. Dann geht es durch dichte, hohe Vegetation. Kokospalmen und andere Pflanzen spenden zwar Schatten, doch nach wenigen Minuten rinnt uns der Schweiß aus allen Poren. Weiter geht es über Wurzeln und Felsen den Berkamm hinauf. Die Mühe des ersten Stück Aufstiegs wird nach 30 min belohnt, denn der Wald lichtet sich, und wir haben freie Sicht hinab auf die Kirche von Maupiti, auf die vorgelagerten Motus  und auf das sagenhaft türkisfarbene Meer. In der Ferne erkennt man sogar die bizarr geformten Umrisse der Nachbarinsel Bora Bora. 

 

 

Doch wir sind noch lange nicht auf dem Gipfel und kämpfen uns weiter nach oben. Die Franzosen haben  mittlerweile aufgegeben und sind umgekehrt. Wir müssen immer wieder stoppen und Luft holen und Wasser trinken. Es wird immer steiler, unwegsamer und man rutscht auf sandigem Untergrund mit Geröll auch immer mehr ab. Einige Wanderer kommen uns entgegen, sind aber ehrlich und meinen es wäre zum Gipfel noch ein gutes Stück Arbeit. Nach schier endlosem Klettern, erreichen wir schließlich die Felsen, an denen es nur noch per Seil und Klettern weitergeht. T. klettert vor und mir fällt diese Art des Kletterns fast leichter, als zuvor, wo man kaum noch Halt finden konnte. Ab dieser Stelle sollte man jedoch auf jeden Fall trittsicher und schwindelfrei sein. Immer noch nicht sind wir oben und es geht weiter mit der Kraxelei und wir müssen weitere steile Felsen per Seil überwinden. Nach über 1 Stunde erreichen wir dann mit aufgepumpten, schmerzenden Oberschenkeln und zittrigen Knien den Gipfel.

Wow, was für ein 180° Panorama auf diese traumhafte Südseeinsel mit seinen 5 umliegenden Motus. Hier können nur noch Fotos sprechen!

 

Wir sind nicht die einzigen Gipfelstürmer und bekommen von einigen Polynesiern Obst angeboten. Nach ca. 30 min, die mit Fotografieren und Ausblicke genießen, schnell vergehen, machen wir uns an den Abstieg. 

 

Schnell haben wir die erste Stelle mit Seil überwunden, doch dann läuft irgendetwas schief. Zu spät merken wir, dass wir anscheinend den falschen Pfad gewählt haben. Der Weg wird immer steiler, schmaler und verliert sich schließlich im Nichts. Wir haben uns tatsächlich verlaufen! Wie konnte das nur passieren? Doch der Pfad war nur schmal und hier sieht alles gleich aus. Zum Glück sind wir zu viert und David übernimmt nun die Führung. Wir stolpern nur noch über Geröll, wackelige Steine und am Boden liegende Kokosnüsse. Es wird immer gefährlicher und die Gefahr, selbst mit unseren Wanderschuhen umzuknicken, steigt. T. tritt einen riesigen Steinbrocken los, der als wahre Lawine ins Tal rollt. Uns ist klar, dass wir uns mehr nach links orientieren müssen. Nach oben zurückzuklettern, dazu hat keiner von uns mehr Lust noch die Kraft. Mit zitternden Knien tasten wir uns nur noch zentimeterweise den Abhang hinunter. Immer häufiger rutschen wir aus und fallen direkt mehrere Meter den Hang hinunter. Sich an Baumstämmen oder dicken Ästen festzuhalten, ist noch gefährlicher und besonders tückisch, denn diese sind trocken, morsch und brechen sofort ab. David scheucht dabei auch noch wilde Wespen auf und springt so schnell es geht vor ihnen davon.

Verzweifelt fangen wir schließlich an laut zu rufen. Ich will hier einfach nur noch raus.

 

Zum Glück rufen die mittlerweile auch absteigenden Polynesier zurück. Sie sind vielleicht einige 100 Meter und denken zuerst, das wäre ein lustiges Spiel. Doch als wir laut rufen:“ We are lost!“, kommen sie uns rufend entgegen und irgendwann stoßen wir erleichtert auf den richtigen Pfad. Erstaunt stellen wir fest, dass unsere Kletterei uns kaum vorwärts gebracht hat, und wir haben noch ein langes Stück Abstieg vor uns. Auch die Wasservorräte sind längst aufgebraucht. Völlig erschöpft erreichen wir dann nach ca. 2 Stunden Abstieg den „Snack Tarona“, werfen uns auf die Bänke und schütten uns literweise die kalten Getränke rein. Nachdem sich alle am Waschbecken etwas frisch gemacht haben, hält Francesca stolz ihre langen künstlichen Fingernägel in die Luft und ruft begeistert: „ Keiner abgebrochen!“ – einfach unverbesserlich die Gute! Dies war mit Sicherheit eine meiner anspruchsvollsten Wanderungen, doch die einmalige Aussicht war alle Mühe wert.

 

Nach diesem Abenteuer schwingen wir uns sportlich auf unsere Drahtesel und fahren gemütlich bis zum Tereira Beach. Dort sonnen sich die anderen Pärchen und wir erzählen ihnen erstmal von unseren aufregenden Erlebnissen. Alle, die schon oben waren, sind voller Mitgefühl, denn sie kennen ja bereits den schwierigen Aufstieg. Ich nehme erst mal ein Bad im knietiefen, flachen, lauwarmen Meer. Zur Stärkung gibt es dann nochmal eins von den langen Baguettesandwiches bei „Mimi`s Snack“.

 

Auf dem Rückweg teilt sich die Gruppe dann wieder. Die einen fahren etwas später los und nehmen den kürzeren Weg über die steile Traverse zum Hafen, doch wir nehmen den längeren, aber dafür flachen Weg. Fast gleichzeitig treffen wir dann alle ein.

Das Schnorchelequipment haben wir im Boot gelassen und wir steuern nochmal den „Manta Point“ an. Die Sicht ist nicht so gut wie beim 1.Mal, doch können wir immerhin zwei der Riesen beobachten.

Zum Dinner geben wir nochmal unser Abenteuer zum Besten und zeigen begeistert die Fotos rum. Es gibt natürlich Fisch, aber wiedermal anders zubereitet, mit Kräutern. Dazu wird ein Auberginen-Auflauf gereicht. David, der Vegetarier ist, hat es wiedermal, trotz extra gekochter Nudeln, nicht so leicht. Zum Desert gibt es dann süßen Schokoladenkuchen.

 

Tag 20:

 

Heute ist schon unser letzter Tag auf Maupiti und auch in der Südsee. Nach einem gemütlichen Frühstück genießen wir noch mal den Strand und den schattigen Holzpavillon mit bequemen Daybeds. Unsere Beine schmerzen nun vom Vortag und der Muskelkater bleibt uns noch mehrere Tage erhalten. Um 11 Uhr räumen wir dann unseren Fare. Gegen 13 Uhr laden wir und das Franzosenpärchen dann die Koffer auf das Wägelchen und verabschieden uns traurig von unseren liebgewonnen Urlaubsbekanntschaften. Von Anne-Marie bekommen wir am Bootsanleger zum Abschied noch eine Muschelkette umgelegt. Dann bringt uns Camille mit dem Boot rüber zum winzigen Flughafen. Zum Abschied begleitet uns tatsächlich ein riesiger Mantarochen, der als Schatten vor unserem Boot ein Stück mitschwimmt. Beim Blick auf Maupiti steigen mir doch ein paar Tränen in die Augen, denn ich weiß genau: Dies ist der Abschied von einem Paradies, was ich wohl kaum mehr wiedersehen werde.

 

Am Mini Check In bekommen wir auf Nachfrage noch einen tollen Maupiti Stempel in unseren Reisepass. Mit  Verspätung taucht der Flieger winzig am Horizont auf und landet schließlich auf der kurzen palmengesäumten Landebahn. Ein letzter Blick und schon verschwindet Maupiti und wir steuern auf Bora Bora zu. Ich wechsle nun einfach von der rechten auf die linke noch freie Seite und habe nochmal tolle Sicht auf Bora Bora. 

 

 

Überraschenderweise haben wir dann eine Zwischenlandung auf Raiatea. Dann können wir nun sagen, dass wir auch auf Raiatea waren, grins. Nach einem leckeren Eis, dürfen wir wieder in den Flieger steigen und fliegen nun Richtung Tahiti. Mit 1.30h Verspätung erreichen wir Tahiti, was uns zum Sunset duster und wolkenverhangen erwartet. Da es in Strömen regnet, verzichten wir auf unsere Idee nochmals nach Papeete hineinzufahren, denn die Zeit ist hierfür mittlerweile zu knapp. Nach einem Stück Pizza und einem Kaffee können wir uns schon um 21 Uhr in die lange Warteschlange am Check In einreihen. Endlich öffnen die Schalter auch, auf Nachfrage bekommen wir sogar noch Sitze am Notausgang und wir können durch die Security und in den Wartebereich gehen. In den Shops erstehen wir noch zwei Hinano Bier T-Shirts und eine traditionelle Kette für T.. Zufrieden stecken wir dann um 23.30 Uhr unsere von der Wanderung schmerzenden Knochen im Flieger aus und können sogar etwas schlafen.    

In Los Angeles haben wir dann eine ewig lange Wartezeit von 6 h. Wir vertreiben uns die Zeit im schicken Flughafengelände mit essen, shoppen, Leute beobachten und lesen. Auch im Flieger von Air New Zealand dürfen wir nach dem Start auf die Sitze am Notausgang vorrücken. T. ist zufrieden. Leider hat das monatliche Programm im Enertainment noch nicht gewechselt, doch wir finden trotzdem noch zwei gute Filme, die uns die Zeit vertreiben. Das Flugpersonal ist gut drauf, macht Späße und auch die Verpflegung stimmt.

In London angekommen, mache ich an der Security den schrecklichen Fehler und packe meine Cremeflasche nicht in die dafür vorgeschriebene Plastiktüte (Was ja bisher bei sämtlichen vorherigen Prüfungen auch kein Problem darstellte).  Doch hier wird mein Rucksack vom Band aussortiert und wir müssen erst mal auf eine Nachkontrolle warten. Vor uns warten aber mindestens noch 4 weitere Fluggäste ungeduldig und genervt auf eine Nachkontrolle und die zuständige Frau ist sehr langsam, zerpflückt den gesamten Inhalt und macht auch noch jeweils einen Drogentest. Die Zeit bis zum Boarding wird nun knapp. Auf unser Drängen hin, nimmt sich eine andere Kontrolleurin meinen Rucksack vor und entdeckt schließlich die blöde Creme. Ja, ja, beim nächsten Mal nehme ich dafür natürlich den überaus wichtigen Plastikbeutel. Wir flitzen zum Gate und das Boarding beginnt auch direkt.

Nach einem recordverdächtigen Non-stopp Flug mit 36 Stunden Flug- und Wartezeiten, landen wir endlich, erleichtert den langen Flug bewältigt zu haben, wieder in Düsseldorf.