Moorea

Tag 3:

 

Pünktlich um 7.30 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Schon im Aufzug gibt es die erste lustige Begegnung. T. ist angesichts des Fußball WM-Spiels Deutschland-Brasilien natürlich im Deutschland-Trikot unterwegs und wir stoßen auf einen Mann im Brasilien Outfit. Es bleibt jedoch zivilisiert und wir wünschen uns gegenseitig ein gutes Spiel. Um 9 Uhr morgens startet in Tahiti das Spiel, das wir auf dem Zimmer im TV verfolgen. Das 1. Tor für Deutschland fällt und wir freuen uns riesig. Jedoch werden wir dann mitten im Spiel abgeholt und zum Flughafen gebracht und sitzen ohne Infos wie auf heißen Kohlen im Bus. Oh Gott !

 

Am „Check In“ versuchen wir dann direkt den aktuellen Spielstand zu erfahren. Als die Dame am Schalter 5:0 erwidert, tippen wir uns an die Stirn und denken: „ Ja klar! Guter Witz !“. Als wir endlich irgendwo einen TV auftreiben, steht es schon 7:0. Zufällig ist im Shop ein Mann, der Kontakte zur Presse hat und mit unserem Einverständnis verständigt er Presse und TV. Die Journalisten sind innerhalb von 15 min am Flughafen und schon werden wir interviewt und müssen mit unserer Deutschlandfahne begeistert vor der Kamera wedeln.

 

Abends sind wir dann berühmt und im lokalen Fernsehsender zu sehen und am nächsten Tag ist im Sportteil der „ Le Depeche“ ein kleiner Zeitungsbericht mit unserem Foto. Danach werden wir von vielen Leuten erkannt: „Seid ihr nicht die Deutschen aus dem Fernsehen?“ 

 

Gegen 12 Uhr starten wir Richtung Moorea, das nur wenige Kilometer nordwestlich von Tahiti liegt und wir landen nach kaum 15 min Flug. Bei freier Sitzplatzwahl entscheide ich mich links zu sitzen und habe auch gute Sicht beim Landeanflug. Nach der Überlieferung stellt die Form der Insel Moorea die Rückenflosse des großen Fisches „Tahiti“ dar; für mich sieht sie fast wie ein Herz aus. Jedoch hängen wieder viele Wolken in den Bergen und es ist diesig.

 

Nachdem wir sämtliche Gäste an ihren Hotels abgesetzt haben, erreichen wir als Letzte unsere Pension „Linareva“ an der einsamen Westküste. Die Lage ist spektakulär mit toller Bergkulisse. Freundlich werden wir begrüßt und beziehen unsere Fare (Hütte) mit Klimaanlage im Garten. Die Anlage ist gepflegt und da es keinen Strand gibt, reicht ein langer Steg ins Meer hinein.

 

Pünktlich gegen 16 Uhr finden sich schon am Meeresgrund liegend mehrere Ammenhaie ein. Auch drei  Schwarzspitzenriffhaie tauchen auf, denn gegen 17 Uhr werden immer ein paar kleine Fische gefüttert. Einheimische Kinder zerschneiden die Fische in kleine Stückchen und füttern dann aber lieber die herabstürzenden Möwen, als die Haie. Hier zum Schnorcheln ins Wasser zu steigen, ist mir nicht so recht geheuer.

 

Mit den rostigen kostenlosen Fahrrädern ohne Bremse, nur mit Rücktritt rumpeln wir langsam über die extrem löchrige, staubige Straße zum kleinen 1km entfernten Supermarkt und kaufen Getränke und Käse ein. Eine Fahrradtour zu schöneren Stränden unter diesen schlechten Bedingungen schließen wir direkt für uns aus.

Zum Sunset werden wir zum historisch nachgebauten „Tiki Village“ abgeholt. Diese Veranstaltung hatten wir schon im Voraus von Zuhause aus über die Pension gebucht. Nach einem Cocktail Empfang laufen wir vor bis zum Meer und genießen noch den  wunderschönen Sunset. Nach einer längeren Wartezeit, nach der endlich alle Gäste eingetroffen sind, wird traditionell das Schwein aus dem Erdofen ausgebuddelt. Anschließend gibt es eine kurze Führung durch das kleine Dörfchen und es gibt interessante Infos über die traditionelle Kultur und das Leben der Polynesier.

Dann wird das Buffet eröffnet und es gibt leckere polynesische, aber auch andere Gerichte. Natürlich wird das Schwein auch angeschnitten und es schmeckt vorzüglich saftig. Während des Dinners wird auf mindestens 100 verschiedene Arten gezeigt, wie man einen Pareo wickeln kann. 

 

Zum Schluss kommt das Highlight: die Tanzvorführungen. Die 1,5h vergehen wie im Flug. Es werden Lieder mit Trommelbegleitung von adrett gekleideten älteren Damen würdevoll dargeboten, die mal so richtig fröhlich sind, aber auch direkt ins Herz gehen.

 

Nach einiger Zeit auf den Inseln erkennt man die sich wiederholenden  Melodien und Tänze immer wieder und kann fast schon mitsingen. Natürlich wird auch der richtige Hula in hübschen Baströckchen und im Kokosschalen –BH dargeboten. Unvorstellbar, wie beweglich die Mädchen in den Hüften sind. Die Gäste, Frauen und Männer ! , müssen natürlich auch auf die Bühne und einige Tanzschritte erlernen. Sehr amüsant! Das Programm ist abwechslungreich und es wird nicht langweilig, die Mädchen tauschen mehrfach ihre Kostüme. Die wilde Feuershow ist dann der krönende Abschluss.

 

Uns hat der Abend gut gefallen und er war die 80€ wert. Übrigens kann man sich auch mittags im Tiki Village auf polynesische Art und Weise in traditioneller Kleidung trauen lassen. Sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis.            

Tag 4:

Gemütlich frühstücken wir auf unserer kleinen Terrasse. Das eher einfache Frühstück besteht hier meist aus Baguette und anderen Backwaren, Marmelade und Früchten. Der selbstgekaufte Käse schmeckt wunderbar dazu.

 

Gegen 9 Uhr werden wir zu einer Lagoontour abgeholt. Da wir so weit abseits wohnen, machen wir direkt auch eine gesamte Inselrundfahrt beim Aufsammeln weiterer Gäste. Auch an der Fähre halten wir für Gäste, die mit der mehrmals täglich verkehrenden Aremiti Fähre, von Papeete ankommen. Endlich erreichen wir das Pearl Resort, von dem aus die Lagoontour starten soll. Die Wartezeit vergeht schnell bei einer Runde durch das wunderschön gelegene Resort mit den tollen Overwaterbungalows. Wer genügend Geld flüssig machen kann, dem sei eines der vielen Luxusresorts wärmstens empfohlen. Auch wenn wir mit unseren vergleichsweise einfachen Unterkünften recht zufrieden waren, besteht nun mal doch ein erheblicher qualitativer Unterschied zu diesen tollen Anlagen. 

 

Um 10 Uhr fahren wir mit ca. 20 anderen Gästen mit dem Boot, das wie ein Bus aufgebaut ist, los. Zuerst werden die zwei spektakulären Buchten Baie de Cook und Baie de Oponohu angesteuert. Welch eine eindrucksvolle Kulisse! Man kann sich gut vorstellen, warum damals hier der Film „Meuterei auf der  Bounty“ teilweise gedreht wurde. Unterwegs werden noch Getränke und Vorräte für unser Picknick aufgenommen. 

Das nächste Highlight ist die flache Sandbank draußen vor dem Intercontinental Hotel. Hier werden Sting Rays (also Stachelrochen) und Schwarzspitzenriffhaie gefüttert. Entsprechend zahlreich erscheinen die Fische dann auch. Ein anderes Touristen-Boot ist schon da und es tummeln sich schnell an die 40 Menschen im Wasser. Das Wasser ist aufgewühlt und man hat schlechte Sicht. Ständig quietscht irgendwo eine Japanerin vor lauter Begeisterung auf, wenn sie einen hellgrauen Rochen küssen kann. Wir stürzen uns ins brodelnde Getümmel und versuchen uns zu orientieren. Die platten Stachelrochen am Meeresgrund sieht man in der Menge kaum und ich habe Angst, auf einen draufzutreten. Ständig werde ich irgendwo von hinten angefasst; ist es der Rochen, ein Mensch oder doch ein Hai?  Nachdem ich dann beim Schnorcheln einige Minuten den Haien tapfer in die Augen geblickt habe, verziehe ich mich lieber zurück aufs Boot. Das ganze Spektakel ist nicht so richtig was für mich. T. ist jedoch begeistert und versucht die Haie unter Wasser gut zu fotografieren. Später erst erfahren wir, dass man angeblich den Rochen den gefährlichen Stachel beseitigt hat; schon bedenklich. In meinem Lycrashirt friere ich auf dem windigen Boot. Die Sonne ist weg und es ist recht wolkig und stürmisch. Die Kitesurfer zeigen, was sie drauf haben und vollführen wagemutige Sprünge.

Letzter Stopp ist auf einem einsamen Motu vorgelagert der Hotelanlage „Les Tipaniers“. Von einem einsamen Motu kann man allerdings nicht wirklich sprechen, denn alle Touranbieter halten hier für ein Barbeque und entsprechend viele Leute tummeln sich dann auch hier. Bis das Essen fertig ist, laufe ich noch etwas den schmalen Sandstreifen bis zur Riffkante entlang; im Wasser entdeckt man immer wieder die riesigen Stachelrochen, die bis zum Ufer scheinbar geschwebt kommen.

Gemeinsam mit allen Gästen wird dann im Schatten der Palmen der sehr leckere, traditionelle „Poison Cru“ zubereitet; feingeschnittener roher Fisch mit Tomaten, Gurken, Zwiebeln, und einfachen Gewürzen. Das Mark der Kokosnuss, die ein Tourist zuvor öffnen musste, und Zitronensaft wird als Marinade über dem Fisch ausgedrückt. Sooo lecker! Außerdem gibt es noch verschiedenes Grillfleisch und Salate. Wir müssen aufpassen, dass uns die frechen Hühner das Essen nicht vom Teller klauen. Nett kommt man mit interessanten Menschen aus aller Welt ins Gespräch: Welche Inseln habt ihr schon bereist, wo geht es als nächstes hin …?

Gegen 16 Uhr sind wir zufrieden mit den Erlebnissen des Tages wieder zurück und sind dann nach einer weiteren Inselumrundung zum Sunset wieder an unserer kleinen Pension.

Tag 5:

 

Heute ist es bewölkt und wir beschließen einen gemütlichen Faulenzer-Tag einzulegen. Wir machen es uns auf den Liegen bequem und verbringen den Tag lesend. Nachmittags paddeln wir noch mit dem kostenlosen Kanu die Küste ein Stück entlang. Andere Gäste erzählen später, dass auf der anderen Seite der Insel die Sonne geschienen hätte. In den hohen Berggipfeln hinter unserer Pension hängen wohl die Wolken gerne mal fest. Mangels Restaurants in der Nähe; „Daniels Pizza“ ist zurzeit geschlossen, essen wir die Baguettereste vom Frühstück und lassen das Dinner ausfallen. Zwar holen auch einige Restaurants ihre Gäste kostenlos ab, jedoch haben wir auch gar nicht so viel Appetit.  Früh um 8 Uhr geht`s schon wieder in Bett.  

Tag 6:

 

Für heute haben wir uns ein Mietauto für ca. 75€ gebucht. Wir werden gegen 10 Uhr von einer Mitarbeiterin von Avis abgeholt und erledigen die lästigen Miet-Formalitäten am Intercontinental Hotel. Sofort machen wir uns dann von der Baie de Oponohu auf zum schönsten Aussichtspunkt dem „Belvedere“ mit sagenhaften Blick über die beiden Buchten „Oponohu“ und „Cook“. Wirklich ein traumhaftes Panorama! Viele kleine Wanderpfade ziehen sich durch die Landschaft, doch wir haben keine Wanderkarten und wir kehren nach einem halbherzigen Versuch in die undurchdringliche Wildnis schnell wieder um. Es gibt hier tolle Wanderungen, z. B. den „Three Coconut Trail“, die man jedoch nur mit einem Führer machen sollte. Leider fällt die geplante hochgelobte Wanderung mit dem Einheimischen Jordan aus, da dieser zum Heiva Festival nach Papeete gefahren ist. Im Inneren der Berglandschaft ragt der „durchbohrte Berg“ steil auf, den man auch besteigen kann.

 

Auf halber Höhe stoppen wir am „Lycee Agricole“ und genießen ein sensationell leckeres Eis. Hier kann man auch verschiedenste Fruchtsäfte und Marmeladen kosten. Auf dem Rückweg stoppen wir noch kurz an einigen historischen, aber unspektakulären Marea Stätten. Schließlich wählen wir die unbefestigte Straße zur Cook Bay; die sogenannte Ananasroute. Avis hat diese Straße vom Versicherungsschutz ausgeschlossen und wir rumpeln ganz schön die ausgewaschene Strecke entlang und setzen auch fast auf. Allerdings ist die Route wunderschön und man hat tolle Aussichten auf die Ananasfelder und erreicht schließlich die Cook Bay. 

Anschließend fahren wir Richtung Sofitel Hotel. Kurz vorher gibt es auf einer leicht erhöhten Stelle neben der Straße einen fantastischen Blick auf die in allen Blautönen schimmernde Lagune mit den Overwaterbungalows des Sofitel und dem schönsten öffentlichen Strand, dem Temae Beach. Ja, so muss die Südsee aussehen! Wir schlendern den palmengesäumten Temae Beach entlang und besichtigen, zugegebenermaßen etwas neidisch, das traumhaft schöne Sofitel Resort. Hier werden die Gäste am Strand sogar vom Boot aus mit Gesang und Ukulelenmusik beschallt. Dann machen wir uns auf den Rückweg. 

Am Strand von der kleinen Hotelanlage „Les Tipaniers“ wollen wir eventuell etwas essen, doch das toll gelegene Strandlokal mit Blick auf die Motus hat schon ab 16 Uhr geschlossen. Uns gefällt es hier doch besser als bei unserer Pension, da man einfach zentraler liegt und auch einen kleinen Strandabschnitt hat.

 

In Haapiti nahe unserer Pension fotografiere ich noch die hübsche Kirche. Wir duschen schnell und fahren dann zur schönsten Sunset-Location zum Hotel Hibiskus. Hier haben wir für 6.30 Uhr einen Tisch reserviert. Die Pizza für 16€ ist zwar groß, schmeckt uns allerdings nicht sonderlich, am besten man bleibt bei den meist ausgezeichneten Fischgerichten, wenn man denn täglich Fisch essen mag.

 

Tag 7:

 

Da wir das Auto gegen 11 Uhr am Intercontinental Hotel wieder abgeben müssen, machen wir uns um 9 Uhr auf den Weg. Es ist noch recht bewölkt, deshalb wird die anstrengende Wanderung auf den steilen „Magic Mountain“ gestrichen, da die Farben des Meeres auch von oben gesehen nicht wirklich leuchten würden. Wir besichtigen das schöne Resort und gelangen zum frei zugänglichen Delfinarium. Von einer kleinen Brücke aus haben wir gute Sicht auf das vom Meer abgetrennte Delfinbecken. Hier können immer ca. 4-6 Gäste abwechselnd mit 2 Delfinen Kontakt aufnehmen. Ein Tierpfleger erklärt einiges über die Tiere und die Delfine winken, springen und posen mit den Leuten, natürlich überwiegend Honeymoonpärchen. Diese Show ist kostspielig und nicht wirklich nach meinem Geschmack.


 

 

Im hinteren Teil der weitläufigen Anlage gibt es noch einen weiteren Bereich in dem einige verletzte Meereschildkröten versorgt bzw. aufgezogen werden. 

T. entdeckt eine riesige Leinwand im Hotel und möchte das Spiel Niederlande- Brasilien schauen. Die Avis Mitarbeiterin zeigt sich gnädig und er darf das Spiel schauen. Ich nutze die Zeit und schnorchle in den hübsch angelegten flachen Meerwasserkanälen rund um die Overwaterbungalows. Hier gibt es einige hübsche bunte Fischlein, die ich versuche zu knipsen. An jeder Hütte gibt es Frischwasserduschen und ich kann mich kurz abspülen, welch ein Luxus! Dann werden wir zur Pension zurückgebracht.

 

Um 15 Uhr ist dann schon wieder Abreise und Transport zum Flughafen von Moorea.